Morgen, morgen, nur nicht heute…

Ein echter Aufschieber ist nicht faul. Denn er plant ja, alles zu erledigen. Irgendwann, morgen vielleicht. Gute Vorsätze hat er genug. Aber inzwischen gibt es sooo viel Wichtiges zu tun! Das Aufschieben hat Konsequenzen, oft sogar ziemlich teure. Aber kaum ist das Schlimmste abgewendet, schiebt man weiter auf.

Dafür hat man gute Gründe. Tausend Gründe. Wichtige Gründe. Dinge, die einem im letzten Moment dazwischen gekommen sind. Schuld ist man selbst nie!

Und doch leidet ein chronischer Aufschieber unter seinem Verhalten. Immer mehr Menschen entscheiden sich aus diesem Grund für ein Disziplincoaching.

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen zwei Aufschieber-Typen:

Der Erregungsaufschieber
glaubt, erst im letzten Moment kreativ sein zu können. Dieser Glaubenssatz kann im Laufe der Jahre sogar zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Aufgrund des Stresshormonschubs und des damit verbundenen Hochgefühls meint dieser Typ, seine Arbeit wäre auch besonders wertvoll. Leider ist dem nicht so. Die Qualität geplanter und überdachter Arbeit ist bewiesenermaßen höher. Aber erklären Sie das einmal einem Adrenalin-Junkie.

Und der Vermeidungsaufschieber, der sich lieber für seine mangelnde Anstrengung als für etwaige Mängel seiner Kompetenz rügen lässt. Vor lauter Angst zu versagen, versagt er lieber aus Zeitdruck. So braucht er seine wahren Fähigkeiten nicht zu erproben.

Aufschieber setzen keine Prioritäten. Sie können nur schwer auf eine Belohnung warten, die in weiter Ferne liegt und ziehen Aufgaben vor, die schnell erledigt und deshalb kurzfristig befriedigender sind.

Immerhin rund 20% der Bevölkerung der Industrieländer sind Aufschieber, unabhängig von der Nation.

Wie so gerne, schoben Forscher früher die Schuld dem Elternhaus zu, während neueste Studien ergeben, dass das Aufschieben ein natürlicher Vorgang sei. Die Steuererklärung ist keine angeborene, sich natürlich verstärkende Tätigkeit. Deshalb haben viele andere Dinge eine größere Chance, schnell erledigt zu werden.

Das Disziplincoaching sieht dreierlei vor:

- Realistisch planen: viele Aufschieber überschätzen ihre Leistungsfähigkeit.

- Pünktlich anfangen: einen konkreten Zeitpunkt zu beginnen festlegen und genau dann auch wirklich starten!

- Arbeitsrestriktion: eine bestimmte Arbeitszeit wird festgelegt und darf nicht überschritten werden – erst die Begrenzung macht das Arbeiten interessant und reizvoll…

Warum das Aufschieben in den Griff bekommen, wo es doch sowieso „natürlich“ ist?

Aufschieber riskieren depressive Verstimmungen. Sie verpassen die Süße der Freizeit, weil sie ständig ein schlechtes Gewissen wegen nicht erledigter Arbeiten haben. Sie leben nie im Augenblick, weil stets das Damoklesschwert der Konsequenzen des Aufschiebens über ihnen schwebt.

Mit dem Erlangen von Disziplin behalten Sie dennoch gleichzeitig die Vorteile und Ressourcen der Aufschieberitis: Die Flexibilität und Leichtigkeit, sich auf neue und dringendere Aufgaben schnell einstellen zu können.

Die Fachbezeichnung fürs Aufschieben lautet übrigens: Prokrastination – allein wegen dieses unsäglichen Worts loht es schon, es aufzugeben….

Juli 19 2007 08:34 am | Allgemein

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